Anwesend
waren der Präsident der TU, viele Professoren verschiedener Fakultäten,
Studenten und Gäste. In der Laudatio würdigte Prof. Auer vom
Fachbereich Architektur die vielseitigen bedeutenden Qualifikationen und
Kompetenzen von Prof. Goydke im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt (PTB) Braunschweig (viele kennen von der PTB die Uhrzeit,
abgeleitet vom nationalen Zeitnormal, der PTB-Atomuhr, von jeder Funkuhr
empfangen). Von dieser Bundesbehörde gehen maßgebliche Regelungen
und Empfehlungen aus, auch an den Normen nach DIN, EN, ISO für Akustik
wurde unter der Leitung von Prof. Goydke entscheidend mitgewirkt. Prof.
Goydke wird zukünftig Wissen und Erfahrungen mit seinen Studenten
teilen, denn der Bereich Schallschutz und Akustik ist ein wesentlicher
Bestandteil des Lehrgebietes Architektur.
Am
Beispiel von Mahlers 5. Symphonie aus verschiedenen Konzertsälen wurde
den Zuhörern klar vor Ohren geführt, wie sich in der Praxis die
vorher dargestellten / gesehenen unterschiedlichen Verhältnisse klanglich
niederschlagen. Klangfarbe, Klarheit, Durchhörbarkeit, Räumlichkeitseindruck,
Ortung, Lebendigkeit sind sehr stark abhängig von der Gestaltung der
Raumakustik, und schließlich sollte jeder Sitzplatz einen Anspruch
auf den vollen Orchesterklang haben!
In dem Raum "Aula", der etwa 400 Personen auf zwei Geschossen
Platz bietet, wurden zwei Lautsprecher B&W DM 605 (Baß teilaktiv)
eingesetzt. Auf Spikes stehend, wurden die Lautsprecher zusätzlich
mit Granitblöcken nahe der Hochtöner mechanisch stabilisiert,
um die gewünschten Lautstärken ohne Verlust an Auflösung
übertragen zu können. Die Mittel- und Hochtonsektion der Lautsprecher
wurde von einem Digitalverstärker angesteuert (Bi-Wiring), als Signalquelle
fungierte ein modifizierter Marantz CD-Player. Unmittelbar vor den Lautsprechern
wurde mit je einem Teppichläufer auf dem Parkett eine akustische
Dämpfung der Bodenreflexion erreicht.
Herzstück der Anlage war die TacT RCS2.0 Einheit, die am Tag zuvor
mit Meßmikrofon im leeren Saal eingemessen wurde. Durch Teilverdunklung
des Saals (für die Projektion ohnehin vorteilhaft) mit Stoffrollos
vor relativ tiefen Fensternischen wurde eine deutliche Dämpfung im
Nachhall bei hohen und mittleren Frequenzen erreicht, der Raum hallte vorher
mehr als 3 s nach. Die Lautsprecheraufstellung wurde besonders breit gewählt,
um den Stereoeffekt möglichst vielen Zuhörern nahezubringen,
wandnah, um den Baß zu unterstützen, denn die verwendeten Lautsprecher
sind für Wohnräume abgestimmt, nicht für Säle.
Ein Umhergehen im leeren Saal zeigte folgend Erscheinungen:
Ohne RCS:
Das Klangbild zerriß, L und R spielten nicht zusammen. Der Baß
überdröhnte die Details im Hochton, der Klangeindruck (Klangfarbe)
war unterschiedlich an verschiedenen Stellen im Raum. Der Stereoeffekt
beschränkte sich auf die "besseren" Sitzplätze im Bereich der
Mittelachse des Saals.
Mit RCS:
Das Klangbild fügte sich greifbar, L und R spielten wieder zusammen.
Der Baß wurde deutlich kontrollierter, die Details im Hochton nahmen
zu, die Klangfarbe war an verschiedenen Stellen im Raum nahezu gleich.
Der Stereoeffekt war gut bis akzeptabel bis auf wenige Einschränkungen
bei den äußersten Sitzplätzen im Randbereich des Saals.
Die Lautstärke war mehr als ausreichend, da die Durchhörbarkeit
sehr gut war, gab es keinen Bedarf nach noch mehr Pegel.
Wurde beim Stop des CD-Players das Signal abrupt abgebrochen, konnte
man deutlich den Nachhall im Raum wahrnehmen, dank der elektronischen Vorausregelung
des Signals wirkte sich die Nachhallzeit des Saals dagegen offenbar im
Spielbetrieb nicht wahrnehmbar aus, das bedeutet, RCS wirkt eben nicht
nur wie ein Equalizer, sondern auf deutliche Weise auch auf den zeitlichen
Ablauf des Schalls im Raum.
Die für die Vorlesung inhaltlich entscheidenden Beispiele für
Hall und Flatterechos Sektkorken-"Plopp" und Frauenstimme "Cheese"
zeigten die gewünschten Unterschiede deutlich auf, was ohne RCS in
dem großen Raum undenkbar gewesen wäre, da der Raum selbst sich
über die Beispiele mit seinem Hallverhalten überlagert hätte.
Überleitend von den gezeigten bauakustischen Maßnahmen wies
Prof. Goydke auf die neuen alternativen Möglichkeiten des elektronischen
Raumkorrektursystems hin, die Nachhallzeiten computertechnisch gesteuert
zu kontrollieren, indem regelnd in die Musik eingegriffen wird.
Hatte Prof. Goydke am Vortag schon geäußert, das System
wäre erstaunlich und würde seine Erwartungen weit übertreffen,
konnten die Zuhörer mühelos seinen Musikbeispielen bei dieser
Veranstaltung folgen, das gute Ergebnis wurde wie selbstverständlich
hingenommen.
Von dem abwechslungsreichen Einsatz verschiedener
Medien und den nachvollziehbaren Klangbeispielen des Vortrags sowie dem
Ansatz Wissenschaft trifft Kunst waren alle sichtbar beeindruckt, was sich
auch in langem Beifall für diese Vorlesung manifestierte.
Informationen über TacT Raumkorrektur